Clown Bimbo kannte ich schon, als ich noch studierte.

Ich erzählte ihm eine seiner Zirkus-Szenen, die ich noch im Kopf hatte, als er da so unvermittelt vor mir stand, am Bühnenausgang eines Theaters, in welchem wir beide als Schauspieler engagiert waren:

„Du kamst in die Manege mit einem Luftballon der über Dir schwebte, bist hochgesprungen und wolltest ihn fangen, dabei sprang der Hosenträger deiner viel zu großen Hose und sie rutsche. Du musstest den Träger wieder anknöpfen, dabei flog aber der Luftballon wieder hoch, das wiederholte sich, bis der Manegen-Umbau fertig war“.

Er lächelte mich an:

„Das funktioniert mit einem mit Gas gefülltem Ballon, an dem eine Perlonschnur befestigt ist.“ Ich wurde unsicher. Hatte ich das jetzt erfunden, oder war es Wirklichkeit?

Er sagte weiter nichts und nahm mich mit zur Straßenbahn, ich kannte den Weg noch nicht.

„Guckt mal, ein Liliputaner!“ Hörte ich schon beim Einstieg in die Tram.

Bimbo sagte laut:

„Ich bin ein Zwerg“ und schüttelte unmutig den Kopf. Fast jede gemeinsame Fahrt machten sich die Leute über seine Kleinwüchsigkeit lustig. Wie unangenehm für Bimbo und wie dämlich von den Menschen, die alles, was nicht ins Normalbild passt, als geringer abstempeln, als sie meinen zu sein. Er musste sich teils vorkommen, als könnte man ihn ausstellen im Zoo. Das passierte tatsächlich am Theater und ich nahm es jedem Regisseur sehr übel, wenn er Bimbo einfach als optische Besonderheit über die Bühne laufen ließ.

Eine Art trauriger Schatten lag oft über ihm. Oder besser, eine feine Melancholie. Ich mochte sie sehr, diese Ausstrahlung. Er verstand es, diese Melancholie unter seinen Späßen sichtbar zu halten. Er war ein echter Clown, ich denke, das haben alle guten Clowns.

Bald mussten wir für den Beginn der neuen Spielzeit werben für das Theater. Es gab ein Straßenfest, jeder Schauspieler spielte irgendetwas. Bimbo trat auf:

Er legte einen kleinen, grünen, viereckigen Kunstrasen auf den Bühnenboden einer kleinen Bretter-Bühne mitten im Park, stellte einen kleinen Zaun um den Rasen mit einem Eingangsgatter, öffnete das kleine Tor, ging hinein, machte 2 Flikflak, noch mit 73 Jahren, ging aus dem Gartentor wieder heraus, baute den Zaun wieder ab, rollte in aller Ruhe den Rasen zusammen und ging wieder von der Bühne.

In meinem kommenden Buch wird man mehr über Bimbo erfahren.

 

Bis zum nächsten Blog! Bleibt gesund! Brigitte