Ein befreundeter Restaurator rief mich an: „Die Karl Valentin Statue ist gerade bei mir, es gab Vandalismus und eine Hand wurde abgeschlagen. Sie steht bei mir zum Restaurieren. Hast Du Lust, eine Lesung mit Karl Valentin-Texten zu machen? Eine Lesung im etwas erweiterten privaten Rahmen, solange die Statue bei mir ist?“

 

Ich bin ein großer Fan von Karl Valentin und seinem Sarkasmus, seiner Ehrlichkeit im Aufzeigen der abstrusesten Verhalten von Menschen, seinem Witz und seiner Traurigkeit im Nonsens. Ein einmaliger Clown.

Ich suchte mir Monologe zusammen und entschied mich auch für Dialoge zwischen Valentin und Liesl Karlstadt. Ich durfte eine Woche proben vor der an einem Stahlgerüst hängenden Statue. Sie war mit einer Schnur daran befestigt und freischwebend, das sah ein bisschen so aus, als würde Karl Valentin am Galgen hängen, aber für den Restaurator musste die Figur für die Bearbeitung von allen Seiten zugänglich sein.

Dort auf dem Hof leben mehrere Künstler, der Restaurator selbst hat übrigens immer wieder Bronze-Statuen, Skulpturen und auch Tore der Stadt München dort zur Bearbeitung und es ist spannend für mich, wenn ich hinfahre, was so alles dort geschweißt wird und gefeilt und gehobelt und gemalt und getöpfert, auch von anderen Künstlern. Dazwischen laufen viele Tiere herum in einem riesigen, Parkähnlichen Garten, ein Hund, drei Katzen, die in einer Baumhöhle gefunden wurden und die jetzt dort ein wunderschönes Leben genießen und tatsächlich mit der Gutsherrin morgens spazieren gehen, alle drei, der Hund ist auch dabei, Hühner laufen frei im Garten. Am spannendsten ist es dort, wenn der Raki-Ofen brennt, wenn die Gutsherrin ihre fertigen Tonarbeiten dann herausholt und alle staunen über die Eigenwilligkeit der Farben, die die Lasur im Feuer auf ihren Arbeiten angenommen hat. Und ich war jetzt auch noch dazwischen mit Text und der Statue, zwischen all den Kunstschaffenden.

Ein Hof, in welchem sich Künstler die Hand geben, Nachbarn jede Gelegenheit freudig annehmen für Gemeinsamkeit, dort sind mehr oder weniger Einöd-Höfe.

Viele Leute aus der Nachbarschaft brachten Stühle und Bänke für die Lesung vorbei und jede Menge Kuchen und Salate. Die Gutsherrin fertigte Schmalz und Kräuterquark und der Bäcker im nahegelegenen Ort buk riesige deftige Brotlaibe. Ich habe ein Dorffest ausgelöst mit meiner Lesung. Ein wenig war ich in eine andere Zeit versetzt, meine ganze Aktion war so fernab von jeglicher Theaterarbeit. So dachte ich mir, haben Schauspieler vielleicht im Mittelalter agiert, vielleicht zu Shakespeares Zeiten, einfach ihre Texte erzählt mit einem gewissen Ziel, irgendwo, oft gab es dann ein Volksfest. Während ich las, gackerten schon mal die Hühner, oder der Nachbarhund bellte. So habe ich Karl Valentin geehrt, nicht in einem geschlossenen Kulturtempel, sondern unterm Volk. Man sagt ja auch, er war ein Volkssänger.

Hier auf dem Foto seht ihr mich vor der aufgehängten Karl Valentin Statue. Jemand von den Zuschauern hat das Foto gemacht und abgegeben für mich. 😊