Willkommen in meinem Retro Cafe 🙂

 

Es gibt nicht wirklich viele große ältere Schauspieler und Schauspielerinnen, bei denen die halbe Stadt zusammenläuft, wenn bekannt ist, dass z.B. Herr Minetti am Abend spielt oder Bruno Ganz, auch Dieter Laser. Seine Sprache auf der Bühne (Heiliges Land, Kacimi, Regie: Heyme) war derart grandios, was da mitschwang an Wissen und Hoffnung und Weisheit und Sehnsucht in jedem einzelnen Satz, das allein zu untersuchen würde Stunden in Anspruch nehmen.

Er war schon Mitte Siebzig und verfügte immer noch über eine unglaubliche körperliche Virtuosität. Ja und natürlich meine große Schauspielerin Anne Kersten, die noch mit 80 Jahren eine Hauptrolle spielte, mein großes Vorbild und meine Mentorin am Theater. Ich erzähle über sie in meinem Buch “Die jugendliche Liebhaberin“.

Und ein anderer Schauspieler, der berühmte Will Quadflieg, den ich als jungen Faustdarsteller schon als Schülerin im Faustfilm von Gründgens bewunderte, machte Lesungen bis ins hohe Alter. Dorthin, wo ich mein Anfangsengagement hatte, kam er auch für eine Vorstellung. Mein Intendant wusste von meiner Bewunderung für den Schauspieler und besuchte mit mir die Lesung in der Intendantenloge.

Goethe, die Italienische Reise. Mit liefen die Tränen vor Begeisterung. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man so dermaßen gut sprechen kann. In der Pause ging der Intendant mit mir in die Garderobe zu Quadflieg und erzählte ihm, wie ich weinte vor Bewunderung ond Quadflieg schenkte mir sein Bühnentaschentuch. Leider ist das bei einem der vielen meiner Umzüge verloren gegangen.

Ja und dann gibt es Schauspieler, die sich zurückziehen, auch nicht so bekannt sind – dazu gehöre ich. Dafür gibt es Gründe, ich musste es in meinem Wikipedia-Eintrag benennen. Aber ich muss Euch sagen, besessen wäre ich schon noch. Und zwischendurch habe ich mit jungen Schauspielern mit Hingabe geübt, wie es eben ging. Inzwischen fühle ich mich kräftiger, vielleicht nicht zuletzt auch wegen des großen Hundes, der mir 2 Stunden Laufen pro Tag in der Natur abverlangt. Das schaffe ich, durch den Hund habe ich wieder Gehen gelernt. So steht die Welt wieder offener für mich. (Auf instagram seht ihr das gerettete Kerlchen, der mir alles zurück gibt, was ich ihm an Geborgenheit geben kann:))

Ach und dann wollte ich noch sagen, dass ich mir Schreiben begebracht habe und bereits an meinem zweiten Erzählband arbeite. Für Schauspieler gilt sowas wie Ruhestand nicht. Wir sind so wach mit Geist und Körper unser  Leben lang. Der Kunstmaler legt ja auch nie seinen Pinsel weg, oder?

Insofern hat der Quadflieg recht bei seinem autobiographischen Roman: Wir spielen immer.  Das ist das Thema schon für meinen nächsten Blog.

 

Bis nächste Woche! Brigitte Horn