Es ist wieder so weit, ich habe Geburtstag und laufe durch die Stadt.

-Ich laufe heute durch die Stadt, die mir so vertraut ist, vorbei an einem kleinen Laden, mitten in der Innenstadt, in dem ich schon als Kind stand, es war der Modeladen der Familie, heute ist schon lange ein anderer Pächter drin. Ich laufe die Straße im Zentrum, die einst mein Schulweg war, suche den Juwelier hinter dem Viktualienmarkt, bei dem ich meine ersten Ohrringe kaufte. Nein – den gibt es nicht mehr. Aber der Stuckladen steht noch, bei welchem wir beim Einzug fehlende Stuckteile für die Wohnung beim Schloss nachkaufen konnten. Wie lange das schon her ist! Ein Satz, den jeder hasst, wenn Alte vor einem stehen und wehmütig vergangene Zeiten verklären. Will ich nicht. Nein, wirklich nicht. Ich freue mich, dass ich heute wieder vergnügt durch die Straßen laufen kann nach einer langen Krankheit, die im Griff ist, mit Therapie, aber nicht weg ist, aber im Griff ist.

„2,99€ Eintritt, die Dame, genießen Sie die Ausstellung!“

Ich laufe eine enge Turmtreppe in die erste Etage in einem der Türme im Isartor und dort ist auf kleinstem Raum eine Sammlung von Karl Valentin mit alten Fotos, ein paar Schminkutensilien von ihm und Theaterplakaten. Die Filme sind es, die ihn dokumentieren, alle sind erhalten, alle auf

YouTube – alle. Das ist doch toll! Man kann auch einige hier drin im Museum ansehen auf einem kleinen Monitor. Die Fotos um mich herum sind vergilbt.

Wahrscheinlich kann man da nichts retuschieren? So alt und überlebt muten diese Zeitdokumente an! „Vorbei, vorbei“, sagen sie. Dabei sind die Valentin- Sprüche so aktuell.

Denkt nur an den Satz: „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“ Einer der wenigen Sätze über den Krieg, bei dem man im Angesicht des aktuellen Ukraine-Krieges schmunzeln darf. Aber der Spruch stammt nicht von Valentin, ich glaube er ist von Brecht und der hat ihn auch irgendwo her…

 

Es heißt ja: Lebe jeden Tag, als wäre es Dein Letzter. Also kaufe ich mir eine Fischsemmel, als Veganerin, am Viktualienmarkt eine Fischsemmel, und stehe wieder vor dem Karl Valentin. Diesmal Semmel kauend vor dem Valentin-Brunnen. Zufall. Schade, ich kann kein Foto machen, die vom Blumenstand haben ihm einen Adventskranz auf den Kopf gelegt, man sieht den Kopf nicht. Sie haben wohl Schwierigkeiten, ihre Adventskränze noch zu verkaufen in der bereits 3. Advent-Woche.

Ich komme am Stadtmuseum vorbei, hier weiß ich, da gehe ich nächste Woche mit einem Freund Kaffee trinken, wir müssen den Geburtstag bisschen nachfeiern, der Freund hatte heute keine Zeit für mich.

Die Asam-Kirche wird gerade umgebaut, sonst hätte ich ein Foto für Euch gemacht, sonst ist alles oder fast alles wie immer, so viel hat sich gar nicht verändert! Ich denke, ich hoffe, dass das auch bei mir der Fall ist. Ja dann… Brigitte