Prof. Hansgünther Heyme, einer der modernsten Theater-Regisseure der Zeit, war ein Performer von Bildern. Das kapierte ich erst viele Jahre später. Die Schauspieler sind bewegliche Figuren in seinen Bildern. Eigentlich hätte man in seinen Inszenierungen alle paar Sekunden ein neues Bild malen können. Herausgerissen aus der Inszenierung hätte ein Bild schon eine Geschichte erzählt. Das ist ziemlich einzigartig. Aber kaum jemand wollte das erkennen.

Die Qualität der Schauspieler ist so nicht im Vordergrund, dafür bekommen sie zu wenig Ruhe für sich innerhalb der Inszenierung. Später änderte sich das. Der Zuschauer kann den Fokus nur bedingt auf ihr Spiel lenken, weil das nächste ausdrucksstarke Bild schon entsteht.

 

Ich sah, wie Heyme zu Probenbeginn rief: „Hans, Wolfgang! Macht mal!“ Und diese älteren, langjährigen Heyme-Schauspieler traten auf und spielten drauf los und Heyme akzeptiere und schmiss raus und sie fügten wie ein Puzzle ihre Rollen zusammen. Tolle Zusammenarbeit. Ich staunte.

 

Ich ging in einer Pause zu Heyme ans Regiepult und bat:

„Was muss ich bitte grundsätzlich ändern?“

„Du bist zu gemütlich, zu verschlafen. Das ist alles ganz nett was Du machst, aber noch nicht gut. Das muss alles viel mehr sein.

 

„Brenne! Kunst ist nicht ausruhen. Es ist das Gegenteil. Es ist ein Brennen! Wir alle brennen!“

 

Brigitte